von Regina Weber
Bilder von Holger Hütte

Und schon wieder ist ein Jahr vergangen: Und manchmal ist schon wieder Zeit für Konzerte in heimeligen, kleinen Kirchen, die liebevoll geschmückt sind.

Nach dem wundervollen Debutkonzert vor ziemlich genau einem Jahr lud der KontorChor am 20.12.2023 wieder zum Winterkonzert, dieses Mal unter dem Motto „Eine musikalische Reise“, in die St. Marienkirche in Hannover-Hainholz ein.

Und dafür hatten wir einiges im Gepäck – wir haben in den vergangenen Wochen (ungefähr seit den Herbstferien) weiter an Stammstücken gefeilt und unser Repertoire aufgefüllt. Unser Programm bestand dieses Mal zunehmend aus Soli, Duetten, Sextetten – und ganz neu: ein Sprechchor! Wir sprechen hier von quasi-alten-Hasen, denjenigen, die einen weiteren Schritt aus ihrer Komfortzone getreten sind und diejenigen, die sich das erste Mal getraut haben, allein vor Publikum zu singen. Wie mutig wir alle geworden sind!

Die Gäste wurden dann endlich um 18.45 Uhr aus dem Regen in die trockene Kirche eingelassen. Nachdem sich alle sortiert hatten, die Heizsitzkissen und Decken verteilt waren und die Mäntel der Choristen abgelegt waren, konnte es losgehen. In diesem Jahr waren wir nicht mehr ganz so nervös wie noch im Vorjahr, jeder fand zügig seinen Platz und schon stimmten wir nach der herzlichen Begrüßung von Michael H. zu „Silber&Gold“ an.

Passend zum November-Wetter im Dezember folgte einer der schwersten Chorsätze des Programms – der „Parkplatzregen“ – einer meiner persönlichen Favoriten, weil dieses Lied einfach Spaß macht. Am Mittwoch performten wir es nun endlich komplett mit den letzten Bausteinen: Unsere beiden Tenöre Michael und Michael rutschen in die vorderste Reihe, Starttöne…Und wir haben den ganzen Song einfach abgeliefert. Punkt.

„Sind die Lichter Angezündet“ und „In the Bleak Midwinter“ gehören mittlerweile zu unseren Standardweihnachtsliedern, die wir am Wochenende zuvor noch bei „Musik für Kinder“ darboten. Sie wurden wahrscheinlich schon auswendig gesungen. „Veni, Veni, Emanuel“ dagegen studierten wir erst in den letzten Wochen ein – das Besondere: Latein und vielleicht noch die gegenläufigen Stimmen. Aber auch diese Hindernisse haben wir geschickt umschifft, trotz Texthänger.

„Christmas is coming“ ist auch nicht mehr wegzudenken: Schon im letzten Jahr begeisterten wir das Publikum und sorgten auch dieses Jahr für ordentlich Stimmung. Es wurde laut mitgeklatscht. Neu war, dass die Strophen auf mehr Solisten verteilt wurden und eine neue Strophe von Michael L. geschrieben worden ist. Besonders Meike hat mich beeindruckt. Meike, die eigentlich solide in der Altstimme singt, zeigte am Mittwochabend allen, dass sie unserer Natursopranistin Christina in den hohen Lagen das Wasser reichen kann!

Den Abschluss sollte wie schon im Spätsommer „Close to you“ machen – ein Song der einfach nur berührt. Der Gospelsong lebt von seinen Verschachtelungen und transportiert auf das Publikum eine besondere Stimmung. Und ohne groß Worte dazu zu verlieren, ist uns das erneut gelungen.

Ohne Frage boten sowohl Nick als auch Michael H. Solostücke (Überraschungsmomente waren garantiert) dar, aber sie boten einigen von uns auch die Möglichkeit weitere Schritte aus den Chorreihen zu machen, sozusagen eine musikalische Plattform.

Den Solisteneinstieg machte Christina: Ihr Name ist kein unbekannter mehr. Sie entführte uns dieses Mal mit ihrer Glockenstimme und mit „Es war einmal im Dezember“ in winterliche Dezemberträume.

Unser Mann mit der Gitarre Michael L. brachte schon sein drittes Solostück mit. Mit neuer Strophe und Gitarre setzte er sich gelassen für den Song „Mad World“ vor den Chor. Am Ende stimmte der Chor sogar noch in den Refrain mit ein. Wir machen eben gern zusammen Musik!

Ich inszenierte mein eigenes Solo „Perfect time of year“ herrlich unperfekt – zum Glück gibt es eben für bestimmte Situationen eine Rewind-Taste, aka Nick. Die dritte Strophe wurde einfach noch einmal, dieses Mal mit dem richtigen Text, wiederholt. Die Stimmung war zurück und meine Komfortzone ist auch etwas größer geworden. Und dann nutzen Mariel und Andrea zu guter Letzt die musikalische Plattform – sie sangen für uns die Weihnachtsklassiker „Oh, Holy Night“ und „Ein Lied im Advent“ – ein Traum, voller Gefühl und so solide als würden sie den ganzen Tag nichts anderes machen.

Unser Septett, das am Ende ein Sextett war, hieß „The 12 days of Christmas“ – dieses Lied hatte es in sich – vorwärts zählen, rückwärts zählen – und was wird eigentlich noch einmal gezählt und wann war ich noch einmal dran? Zu sechst (Jessi, Mariel, Michael L., Michael H., Christina und ich) standen wir nun vor dem Publikum und erzählten dreistimmig eine kleine Geschichte. Vergessen waren die Stolpersteine, die noch eine Stunde zuvor für nervöse Blicke von Michael H. sorgten. Einsätze, Tonleitern, Text und Tempo saßen. Wir sind stolz!

 

Und dann gab es noch den Sprechchor: Heinz Erhardt wäre bestimmt begeistert von Sandra, Leonie und Maria gewesen. Sie sprachen für uns mit viel Engagement sein Gedicht „Die Weihnachtsgans“. Eine wundervolle Idee, die den Abend humoristisch unterstrich.

In diesem Jahr durfte auch das Publikum mitmachen, was freudig angenommen wurde. So schmetterten alle bei altbewährten Klassikern, wie „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, „Alle Jahre wieder“ oder auch „Ding Dong Bells“ mit. Nun und eine Zugabe durfte nicht fehlen – der Publikumsliebling: „Christmas Is Coming“ – ich habe irgendwann nicht mehr gezählt wie oft wir den Refrain gesungen haben.

Michael H. schickte uns übrigens nach der Generalprobe noch aufbauende Worte: „Und für alle sackenden Töne, fehlenden Rythmen oder Textverwechslungen: das passiert!“. Ich denke, diese Worte gelten auch für Konzerte. Ich weiß nicht, wie es den anderen ergeht, aber ich schwebe immer noch und mir werden noch eine ganze Weile Textzeilen durch den Kopf gehen, die dann in unbeobachteten Momenten angestimmt werden. Und ich weiß aus sicherer Quelle, dass es schon Duett-Pläne für das nächste Konzert gibt…Frohe Weihnachten!